headland

Uruguay ist bekannt für seine Strände, seinen Fokus auf erneuerbare Energien, die Legalisierung von Marihuana und die progressive, linke Politik des ehemaligen Präsidenten „El Pepe“ José Mujica. In den letzten Jahren ist die Kriminalitätsrate in der Hauptstadt Montevideo gestiegen. Viele Menschen in Uruguay machen die sozialistische Politik dafür verantwortlich. Die Atmosphäre ist angespannt, der Ruf nach einer Veränderung laut. Cabo Polonio scheint von dieser Atmosphäre unberührt. Es ist ein kleines Fischerdorf, mitten in einem Naturschutzgebiet auf einer felsigen Hochebene, umgeben nur von Wasser und Seelöwen. Die Menschen dort leben größtenteils ohne Elektrizität, viele Häuser sind aus Abfall erbaut, keiner der Wege asphaltiert. Der Alternativtourismus floriert.

Gesellschaft kann über ihre Gebäude und Konstruktionen betrachtet werden. Wir sind in Räumen verortet, bewusst und unbewusst, und sie vereinen und trennen uns voneinander. Ein Ort wird unter anderem über seine Architektur definiert. Wir bewegen uns auf Wegen, die von anderen für uns erbaut wurden, die unsere Möglichkeiten bestimmen.

Cabo Polonio liegt auf einer Landzunge, abgeschieden und nicht mit dem Auto, sondern nur mit speziellen Trucks erreichbar. Die Reisenden, die hier vorbei kommen, nehmen Hürden in Kauf und erwarten dafür ein Schauspiel von Ursprünglichkeit und Freiheit. Die kleinen Häuser sind großzügig über die Hügel verteilt, keines kommt dem anderen in die Quere und keines gleicht sich. Anders als in Städten, gestalten die hier Lebenden die Strukturen mit. Alles aber, so scheint es, im Hinblick auf das, was der Tourismus von ihnen erwartet. Die Idee des Dorfes, der Charme der fehlenden Elektrizität, die Abgeschiedenheit, das Gefühl von Unabhängigkeit wirkt wie ein Stück in drei Akten für Reisende.

headland fängt die Stimmung des Dorfes abseits der Hochsaison ein, wenn die Wege zwischen den Häusern nicht von Rucksackreisenden bevölkert sind. Die Bilder sind im April 2018 entstanden, auf einer Reise durch Uruguay und Argentinien, einer Rucksackreise. Ich war selbst eine dieser Touristinnen, die eine bestimmte Stimmung in diesem Dorf erwartete. Wie formt Tourismus Landschaften und Struktur und wieso sind so viele auf der Suche nach Ursprünglichkeit? Die Häuser in Cabo Polonio lösten in mir tatsächlich Empfindungen wie Freiheit und Unabhängigkeit aus, so ungewohnt schien mir der Anblick von nicht normierter Struktur, von architektonischer Vielfalt. „We don’t see things as they are, we see things as we areAnaïs Nin hält meinem eurozentristischen Blick einen Spiegel vor.