absence

An einer U-Bahnstation in Köln sitzen zwei Menschen, weit voneinander entfernt. Eine ältere Frau läuft über den Bahnsteig, schaut auf die beiden Bänke, will sich setzen, entscheidet sich dagegen und stellt sich im größtmöglichen Abstand zu den Bänken an die Wand – Ein altbekanntes Schauspiel. Bahnsteige sind wie Bühnen, auf denen wir zugleich Schauspielende und Zuschauende sind.

U-Bahnstationen haben, vor allem durch ihre Tristesse, eine starke visuelle Anziehungskraft auf mich. Kommunikationslosigkeit und soziale Isolation sind greifbar. Die grellen Farben der U-Bahnstationen in Köln stehen im Kontrast zu dieser Trostlosigkeit. Dieser Wiederspruch fasziniert mich. Der französische Ethnologe und Anthropologe Marc Augé nennt diese Orte Nicht-Orte. Es sind Transiträume, Orte der Einsamkeit, der physischen Anwesenheit und psychischen Abwesenheit. Die Fotoserie absence beschäftigt sich mit einem solchen Nicht-Ort und dessen Potential zu sozialer Isolation.

Menschen und U-Bahnstation wurden getrennt voneinander fotografiert und in Form einer Montage vereint. Dadurch wirken die Figuren noch entrückter und isolierter. Das Panoramaformat sorgt für den Eindruck eines endlosen Bahnsteigs, ein endloses Nebeneinander von Menschen. Der Abstand zwischen den Bänken ist sehr breit, dabei bleibt das Zentrum aber immer leer. Keine der Figuren wird im Raum bevorzugt, alle sind gleich. Architektur und soziale Muster sind aufeinander abgestimmt. Die Figuren schauen knapp an der Kamera vorbei. Uns wird es verwehrt, Blickkontakt zu den Subjekten aufzubauen, Distanz wird gewahrt. Wir blicken auf die grünen Kacheln des Reichensperger Platz, auf die Bühne der sozialen Isolation, und sind selbst isoliert.